hist. Saumzug auf der Sbrinz-Route vom 19. August – 25. August 2007

    Reisebericht von Ruth von Rotz Teilnehmerin Wanderwoche 2007

    Sonntag, 19. August: Um 14:30 Uhr starteten wir am Sonntag, 19. August in Stansstad unser Säumer-Abenteuer. Der erste Teil war recht gemütlich: Mit der Zentralbahn fuhren wir nach Grafenort, wo es leider zu regnen begann. Am Anfang ging’s gemächlich dem Aawasser entlang in Richtung Engelberg bis nach Obermatt. Dann begann der Weg zu steigen und die richtigen Abenteuer begannen. Schon bald sollte der Bach auf einer schmalen Brücke überquert werden. Aber das vorderste Pferd befand die Brücke zu schmal und weigerte sich darüber zu laufen. Kurz entschlossen führten unsere sechs Säumer ihre Pferde durch den Bach und stellten bereits in diesen ersten Stunden ihr Können unter Beweis.

    Die Ruhe währte nicht lange: Plötzlich kam Bewegung in die vorderste Reihe und die Pferde stieben in alle Richtungen davon. Der Grund war ein Wespennest mitten auf dem Weg. Wir passierten dieses Hindernis nicht ganz ohne Stiche! Wir wurden noch ein drittes Mal angehalten, da sich ein Hufeisen gelockert hatte und der Hufschmied bereits an den ersten Etappenort bestellt werden musste. Schliesslich gelangten wir ohne nennenswerte Unterbrechungen über den Studentenweg nach Engelberg. Nach einem feinen Znacht verkrochen sich die meisten bald in ihre Betten, denn am nächsten Tag wartete der Jochpass auf uns.

    Montag, 20. August: Nach einem ausgiebigen Frühstück starteten wir unsere erste richtige Etappe. Leider fand diese im Dauerregen statt. Auf Trüebsee in der Hüetthütte empfing uns der Älpler mit seiner Crew zu super feinen Älplermagronen und Apfelmus in einem geheizten gemütlichen Stubli. Nachdem Genuss von Kaffee und Kuchen wanderten wir immer noch im Dauerregen dem Jochpass zu. Auf dem Pass gönnten wir uns eine kurze Tee- (oder Kaffee-)pause und wechselten die nassen Kleider gegen trockene.

    In der Engstlenalp angekommen genossen wir nach dem wohlverdienten Nachtessen einen sagenumwobenen Abend. Unser Wanderleiter Ludi erzählte uns gar manch gruselige Geschichte von klopfenden Geistern und armen Seelen. Schon bald war wieder Nachtruhe angesagt, denn für den nächsten Morgen wurde uns ein frühes Highlight versprochen.

    Dienstag, 21. August: Der Morgen begann viel versprechend. Bei Sonnenschein und Sicht auf das Nebelmeer wurden wir an einen ganz besonderen Ort geführt. Nicht weit vom Hotel Engstlenalp entfernt befindet sich ein so genannter Kraftort. Wir verbrachten bei diesem Stein stille Minuten und lauschten den verschiedenen Geräuschen der Natur.

    Gestärkt mit dieser Kraft begannen wir den Abstieg Richtung Wyler bei Innertkirchen. Das heutige Ziel hiess Guttannen. Bei den steilen engen Passagen wurden unsere Säumer und ihre Pferde auf die Probe gestellt, aber sie meisterten die Aufgabe bravourös. Nach dem Mittagshalt in Wyler bildeten sich 2 Gruppen. Die einen wanderten mit den Pferden über Unterstock. Die anderen wählten den Weg durch die Schlucht, wo die Sprengflue ein Durchkommen für die Pferde unmöglich macht. Wie der Name sagt, wurde der Weg in die Flue gesprengt, welcher aber zu eng ist für die Pferde mit der Ladung. Kurz vor Guttannen trafen die beiden Gruppen wieder zusammen und gemeinsam zogen wir in Guttannen ein, wo wir bereits mit einem Apéro erwartet wurden. In der Mehrzweckhalle wurden wir verwöhnt mit Salat, Schinken und Gschwellti. Es wurde gar das Tanzbein geschwungen und der Männerchor hatte diverse Auftritte.

    Mittwoch, 22. August: Etwas früher als sonst, um 07.00h, hiess es bereits wieder Abmarsch in Richtung Grimsel. Das heutige Etappenziel hiess Obergesteln. Nach sechs anstrengenden Aufstiegsstunden erreichten wir schliesslich die Passhöhe. Bei feinen Spaghetti sammelten wir wieder neue Kräfte für den Abstieg, welcher wesentlich einfacher zu bewältigen war. In Obergesteln wurden wir bereits wieder erwartet und es wurde für uns ein Empfang mit Nachtessen vorbereitet. Auch die Musik fehlte nicht und die Tanzfläche war frei.

    Wie an jedem Etappenort überreichte unser Wanderleiter Daniel auch in Obergesteln symbolisch Salz und Käse.

    Donnerstag, 23. August: Heute stand die Königsetappe auf dem Programm: Es galt den Griespass mit über 2400 m ü. M. zu überqueren. Nach ca. 4 Std. Wanderung erreichten wir die Passhöhe. Ein kalter Wind empfing uns, aber dafür war die Sicht atemberaubend. Die Pferde genossen es, sich ohne die Lasten zu bewegen und veranstalteten ein Pferderennen fast wie im Wilden Westen.

    Nachdem die Erinnerungs-Tafel zur Neueröffnung der Sbrinz-Route von 2003 am Giswiler Lauistein ersetzt worden war (die erste hatte leider Beine bekommen) ging’s langsam zum sehr steilen Abstieg. Auf der ersten Ebene angekommen wechselten zwei unserer Frauen die Kleider um stilgerecht in Riale und Ponte einzumarschieren. Die bequemen sportlichen Hosen wurden durch einen Rock ersetzt und das traditionelle Halstuch durfte auch nicht fehlen. In Riale angekommen durften wir einmal mehr einen feinen Apéro geniessen. Aber bald hiess es wieder aufbrechen, es lag noch ein gutes Stück Weg vor uns. Zu überwinden galt es die berühmten Tosafälle welche auch auf verschiedenen Ansichtskarten zu sehen sind. Einmal mehr meisterten unsere Säumer und ihre Pferde die heiklen Passagen sehr ruhig und sicher.

    Nach ca. 10 Std. Wanderzeit, gelangten wir schliesslich an unser Ziel Ponte. Wir wurden bereits am Dorfeingang von der Dorfmusik in Trachtenbegleitung erwartet. Die Musik führte unseren Zug an und wir versammelten uns auf dem Dorfplatz in Ponte wo sich fast alle Bewohner des Dorfes einfanden. Nach verschiedenen Willkommens- und Dankesworten wurde der obligate Käse und das Säcklein Salz überreicht. Es war ein tolles Gefühl am Ziel zu sein. Es erfüllte uns alle ein wenig mit Stolz, dass wir es tatsächlich geschafft hatten, von Grafenort bis nach Italien zu wandern.

    Wir Wanderer gratulierten uns gegenseitig zu dieser grossen Leistung. Der Abend verging bei feinem Essen und allerlei Gesprächen viel zu schnell. Am Freitag stand ein Ausflug nach Domodossola auf dem Programm.

    Freitag, 24. August: Ein Car brachte uns durch die steile enge Strasse auf den Weg zur Hauptstadt des Val d’Ossola. Wir besuchten eine alte Sust, wo noch eine Kappelle und die Ruinen eines Pferdestalles vorhanden waren. Bei einem Weinhändler durften wir mit feinen Antipasti einheimische Tropfen degustieren und natürlich auch kaufen. Weiter ging die Reise mit dem Car talabwärts. Nach einer kurzen Fahrt erreichten wir Domodossola. Der Aufenthalt reichte für einen kurzen Stadtbummel und einen Capuccino auf der Piazza. Bald schon führte uns der Bus wieder hinauf in die Berge. Auf dem Weg besichtigten wir ein sehr altes Dorf, wo der Waschtrog noch in der Mitte des Dorfes stand und eine wunderschöne alte Bogenbrücke sich über den Fluss spannte. Nachdem auch die Einkäufe im Dorfladen für Spezialitäten aus der Region getätigt waren, trafen wir wieder in Ponte ein. Im Museum erklärte uns die Museumsleiterin im sympathischen Walsertitsch sehr viel Interessantes über die Geschichte der Walser.

    Der letzte Abend klang bei Musik und Tanz in den frühen Morgenstunden erst aus……

    Samstag, 25. August: Bereits stand die letzte Etappe auf dem Programm. Wir mussten den Passo San Giacomo überqueren um wieder in die Schweiz zu gelangen. Auf der Passhöhe angelangt zeigten sich ganz verlassen ein paar einsame Betonpfeiler. Das sind die Überreste von Mussolinis Schachzug. Er liess im zweiten Weltkrieg zwei Bahnwagen auf diesen Pass transportieren und stellte sie auf diese Pfeiler, um seine Macht zu demonstrieren!!

    Schon bald betraten wir wieder Schweizerboden und die Nufenenpassstrasse verriet uns die Nähe zur Zivilisation. In All’ Aqua erwartete uns bereits der Bus, um uns nach Stansstad zurückzubringen. Wir verabschiedeten uns von den Pferden und einem Teil der Säumer. Nach einer kurzen Fahrt über die Autobahn erreichten wir schliesslich Stansstad, unsern Startort. Nun kam der endgültige Abschied, es wurde vielleicht da und dort gar eine Träne heruntergeschluckt.

    An dieser Stelle möchten wir uns ganz herzlich bei unseren Wanderleitern Doris, Ludi, Daniel und Sepp bedanken.

    Diese Wanderung war ein unvergessliches Erlebnis, wir durften ganz spezielle Orte kennen lernen und wir erfuhren sehr viel über die Geschichte der Säumerei. Es war nicht einfach nur eine Wanderwoche, es war sehr viel mehr. DANKE

    Im Namen der Wanderer

    Ruth und Ruth

    Auskunft erteilt: Email: info(at)sbrinzroute.ch